unwirklicher Alltag
von
Bleistift & Radierer
1
Es ist 4:15 Uhr a.m.
Ich betrachte, in meiner Matraze eingesunken, die Uhr im Licht der vorbeifahrenden Scheinwerfer und frage mich, warum da Scheinwerfer vorbeifahren.
Die Nachttischlampe einschaltend überprüfe ich meine Beobachtung und stelle fest, dass
sich die Zeiger meiner Uhr nicht bewegen.
Ich bin geschockt und sofort hellwach und nimm all meine Kraft um mich aus dem Bett zu hieven.Als mir beim herausfallen der Alluminiumtisch gegen den Schädel schlägt bin ich jedoch zu wach.
Ich torkle quer durch mein Apartement, bestehend aus drei spartanisch eingerichteten Räumen, und halte Ausschau nach einem funktionellen Gerät, das einem die Zeit sagen könnte.
Ich bemerke die Mikrowelle und nimm soeben wahr, dass ich eigentlich hätte längst in der Arbeit sein sollen.
Ich versuche die Ruhe zu bewahren um nicht in Panik zu geraten und renne ins Badezimmer um den strengen Geruch zu neutralisieren.
Der dadurch entstandene Windzug, der deshalb so groß war, weil sich jedes Molekül durch den engen Gang von tragender Wand, die mindestens 1/4 meiner gesammten Mietwohnung einnimmt damit die 15 oberen Stockwerke nicht dem Einsturz nahe sind, und Kühlschrank zwängen muss, riss alle Magneten vom Kühlschrank auf den Linoleumboden, worunter mein geliebter Bierglasmagnet entzweibrach.
Der Boden kriegte dann auch noch Kratzer.
Ich kehre alles auf und merke zu spät, dass der Müleimer bereits überquillt.
Die Haustür öffnend blicke ich mich zunächst um ob außer mir sonst noch jemand wach ist.
Ich stufe zu meiner Erleichterung das Stockwerk als leer ein und verteile sorgfältig die Glasscherben in einer unübersichtlichen Ecke.
Was die Leute darüber sagen würden ist mir im Moment nicht wichtig, da die restlichen Scherben zu einer anderen Haustür führen.
Den Wasserkocher eingeschaltet ziehe ich einen werkwürdigen Faden aus meinem Müsli und stelle fest, dass das Haltbarkeitsdatum der Milch seit vier Wochen abgelaufen ist. Ich putze nochmal die Zähne und ziehe hastig mein Hemd an, die Krawatte leider verlegt, ziehe meine Jacke an, trinke schnell den Kaffee, renne raus, schließe die Tür ab, schließ sie wieder auf, renne rein, ziehe eine Hose an und bin endlich weg.
PS:"ich hasse Montage!"
(Viel Glück beim Lesen der nächsten philosophierten Alltagsgeschichte:
Fortsetzung folgt ... 7:25 Uhr)
1
Kommentare
Keine Kommentare vorhanden.
Kommentar hinzufügen